15 Kirchen erzählen aus Ålands Vergangenheit

Wer mehr über die Geschichte von Åland erfahren möchte, fährt am besten von Kirche zu Kirche. Das mag zeitaufwendig erscheinen, aber – es lohnt sich. Man darf in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen, dass die Kirchen zu einer Zeit gebaut wurden, wo ganz Skandinavien noch zur katholischen Kirche gehörte, und wo rege Kontakte zum Kontinent bestanden. Über viele Jahrhunderte hinweg bildeten die Kirchen einen zentralen Punkt in den Dörfern. Hier wurden Säuglinge getauft, hier wurde man konfirmiert, man heiratete hier und wurde hier begraben. Die stummen, dicken Steinmauern, meist aus rotem Granit, bergen Tausende von Geschichten.
Außer der Kirche in Mariehamn aus den 1920er Jahren gibt es auf Åland ganze 15 weitere Kirchen, die ältesten gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Hiervon sind 12 mittelalterliche Steinkirchen, drei neuere Holzkirchen lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Außerdem gibt es Ruinen von zwei mittelalterlichen Steinkapellen und Reste von kleinen Holzkapellen an den Schifffahrtswegen. Oft liegen die Kirchen wunderschön eingebettet in die Landschaft, häufig unmittelbar in der Nähe des größten prähistorischen Gräberfelds im Kirchspiel und an mittelalterlichen Häfen.

Was ist das Besondere an den Kirchen auf Åland? Unter anderem sind sie naturwissenschaftlich außerordentlich gut erforscht und dokumentiert. Alle Steinkirchen aus dem Mittelalter sind erhalten, einen besonderen
Stellenwert in Skandinavien haben Wandmalerien aus dem 13. Jahrhundert, die so weit nördlich ansonsten kaum zu finden sind.
Die fünf schönsten Kirchen, die man gesehen haben sollte
Wenn nicht Zeit für alle Kirchen ist, empfehlen wir die Folgenden:

Finströms Kyrka: das am besten erhaltene mittelalterliche Gebäude in Finnland, vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts erbaut. Die Kirche ist besonders interessant durch ihre Architektur, ihre Wandmalereien und die beiden Skulpturen aus dem 12. Jahrhundert. Im Mittelalter möglicherweise die Hauptkirche von Åland. Die heutige Kirche stammt hauptsächlich aus dem 15. Jahrhundert.

Sunds Kyrka: Die größte Kirche in Åland, dabei nur etwas größer als das Längsschiff von Finström, vermutlich MItte des 13. Jahrhunderts erbaut. Die Kirche liegt umgeben von wunderschöner Landschaft in der Nähe von Schloss Kastelholm und steht im Zusammenhang mit dem Königshaus. Schöne Wandmalereien und Skulpturen aus dem 13. Jahrhundert.

Lemlands Kyrka: Ende des 13. Jahrhunderts erbaut, ist die Kirche mit ungewöhnlich gut erhaltenen frühgotischen Wandmalerien gestaltet, die unter anderem die Nikolaus-Legende darstellen. Mit der um 1320 datierten Lemlands-Madonna, eine der schönsten Madonnen in Nordeuropa, birgt die Kirche einen weiteren Schatz. Ihr vieldeutiges Lächeln ist möglicherweise noch interessanter als das der Mona-Lisa.

Jomala Kyrka: ganz anders als alle anderen Kirchen auf Åland. Vermutlich die Privatkirche eines Adligen, möglicherweise die älteste Kirche auf Åland. Im 19. Jahrhundert teilweise umgebaut, die schönen Wandmalereien, die sich auf die Zeit um 1280 datieren lassen und die Geschichte vom verlorenen Sohn darstellen, sind jedoch erhalten geblieben.

Hammarlands Kyrka: mit ihrem markanten Turm, der ungewöhnlicherweise an der Südseite der Kirche angeordnet ist, lässt sich die Kirche auf das Ende des 13. Jahrhunderts datieren. Wer mit dem Auto von Eckerö kommt, sollte unbedingt hier Halt machen. Die Fassade spiegelt deutlich die vielen verschieden Bauphasen wieder. Im Inneren fallen vor allen Dingen die schwebenden Kuppelgewölbe auf, für diese Breitengrade eine ungewöhnliche Konstruktion.

Steinkirchen

Die ältesten mittelalterlichen Steinkirchen auf Åland stammen aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die übrigen entstanden im 14. und 15. Jahrhundert. Es ist anzunehmen, dass am Ende des 13. Jahrhunderts ein ökonomischer Aufschwung stattfand, der es möglich machte, eine große Anzahl von Steinkirchen etwa zur gleichen Zeit zu bauen. Auch später wurden ständig neue Kirchen errichtet, wenn auch nicht mehr so zahlreich.

Die Chronologie der Steinkirchen ist noch nicht endgültig festgelegt, es scheint jedoch, dass die meisten Mutterkirchen vor 1300 erbaut wurden, während die Kapellen im Laufe des 15. Jahrhunderts entstanden. In diese Zeit fällt auch das Gewölbe der Kirche in Finström.

Die Kirchen wurden aus åländischem Granit, dem leicht abbaubaren „Rapakivi“-Granit erbaut.Ziegelsteine wurden nur sporadisch gegen Ende des Mittelalters gebraucht. Stattdessen wurden die Gewölbe der Längsschiffe lieber aus Feldsteinscherben als aus Ziegelsteinen erbaut. Der in der Region erhältliche ordovizische Kalkstein wurde für die Einfassung von Fenstern und Portalen verwendet.

Die charakteristischen Westtürme wurden in einer späteren Phase gebaut, die ältesten entstanden um 1283, die jüngsten um 1467. Außer den Westtürmen wurden auch Sakristeien und Waffenhäuser ergänzt.

Holzkirchen

Die Holzkirchen, die nach der Reformation in den Kirchengemeinden von Lumparland, Sottunga und Brändö gebaut wurden, hatten ihre Vorbilder in den mittelalterlichen Kirchen.
Es ist nicht auszuschließen, dass einfache Holzkirchen als Vorlagen für die Steinkirchen auf Åland dienten. Bei archäologischen Ausgrabungen ist man auf einige Reste von frühen Holzkirchen gestoßen.
Heute ist die weiß bemalte Holzkirche von Lumparland ein beliebtes Ausflugsziel, von hier aus hat man eine wunderschöne Sicht über die Meeresbucht „Kapellviken“. Sehenswert ist die schön bemalte Empore aus dem Jahre 1760.

Innenausstattung

Die künstlerische Ausschmückungder Kirchen ist sehr aufwendig. Die frühgothischen Kalkmalereien in Lemland, Jomala und Sund sind bedeutend älter als entsprechende Malereien im übrigen Finnland. Das gleiche gilt für die Holzskulpturen in der Kirche von Finström, diese stammen vermutlich vom Ende des 12. Jahrhunderts. In der Kirche von Sund gibt es ein 5,06 m hohes Triumphkruzifix aus dem 13. Jahrhundert.

Die Kunst der Kalkmalereien und die Ausschmückung mit Holzskulpturen erlebte Ende des 15. Jahrhunderts eine neue Blütezeit. So sind beispielsweise die Wände und Gewölbe in der Kirche von Kumlinge mit Kalkmalereien bedeckt.

Hoch oben an der Decke segelt das Kirchenschiff, solche Schiffe sind in den åländischen Kirchen oft anzutreffen. In der Kirche von Kökar hängt ein echtes Votivschiff. Gerieten Seemänner in Seenot, versprachen Sie Gott, der Kirche ein solches Votivschiff zu stiften, wenn Gott sie nicht in den Wellen sterben ließ. Im Waffenhaus der Kirche von Sund können Sie ein Votivgemälde aus dem Jahre 1671 bewundern. Dieses Gemälde ist nur auf Åland nur hier zu finden.


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