Narbild_dykare_med_flaskan_i_handenIm Sommer 2010 wurde ein Schiffswrack auf Föglö in den äußeren Schären von Åland gefunden. Das Wrack enthielt 145 Flaschen Champagner und fünf Flaschen Bier aus den 1840er Jahren.

Dank der konstanten Temperatur zwischen vier und sechs Grad, der dunklen Umgebung, dem Druck des Flascheninneren und dem Druck auf dem Meeresboden war der Champagner in hervorragendem Zustand. Jede Flasche wurde von dem internationalen Experten Richard Juhlin probiert, klassifiziert und neu verkorkt.

Drei Champagnerhäuser

Die Somelière Ella Grüssner Cromwell-Morgan aus Åland hat die erste Flasche probiert, die aus dem Wrack geholt wurde. In der lokalen Zeitung lobte sie das edle Getränk anschließend in den höchsten Tönen:

„Der Wein duftete nach gut gereiften Früchten, bot Töne gelber Rosinen und hatte viel Tabakaroma. Und obwohl der Wein so extrem alt war, hatte er dennoch eine frische Note. Er war überhaupt nicht schal, hinter der Süße kam eine markante Säure zum Vorschein. Der Wein klingt mit einem markanten Geschmack von Eichenfasslagerung aus.“

Von den geborgenen Flaschen stammten 95 von dem im Jahr 1829 geschlossenen Champagnerhaus Juglar. Heute produziert Jacquesson auf denselben Ländereien. 46 Flaschen stammen von Veuve Clicquot und vier vom Weingut Heidsieck & Co. Anhand der Kennzeichnung auf den Korken ließen sich die Flaschen von Veuve Clicquot auf 1842–1843 datieren.

Rekord auf Auktion

Bei der ersten Champagnerauktion in Mariehamn 2011 wurden vom Auktionshaus Acker Merrall & Condit neben zwei Champagnerflaschen aus dem Wrack 15 Objekte aus der Kellerei Veuve Clicquots verkauft.

Die Flasche von Juglar wurde für 24 000 Euro verkauft, während der Champagner von Veuve Clicquot, der auf um 1841 datiert wird, einen neuen Weltrekord von 30 000 Euro erzielte. Der bisherige Weltrekord aus dem Jahr 2008 lag bei 84 700 USD für zwei Flaschen 1959er Dom Perignon Rosé. Fabienne Moreau vom Champagnerhaus Veuve Clicquot hält es für vorstellbar, dass die Flasche von Madame Clicquot selbst probiert worden ist.

Bei der Auktion im Jahr 2012, die vom Auktionshaus Artcurial veranstaltet wurde, wurden sechs Flaschen Juglar, vier Flaschen Veuve Clicquot und eine Flasche Heidsieck & Co sowie ein Jahrgangschampagner von Veuve Clicquot verkauft. 

Museumsexponate und Leihgaben

Das Wrack und dessen Last gehören der Landschaftsregierung Åland. Einige Flaschen werden öffentlich im Kulturhistorischen Museum Ålands gezeigt, zwei sind bei Veuve Clicquot in Frankreich ausgestellt. Im Rahmen einer Weinausstellung wurde eine Flasche nach London ausgeliehen, eine weitere, die 2012 auf einer Auktion von der Brauerei Stallhagen ersteigert wurde, ging an einen Kontakt des Unternehmens nach Japan. Die Geschichte des Wrackchampagners weckt nach wie vor Aufmerksamkeit. Deswegen gibt es bei der Landschaftsregierung Pläne, einen tragbaren Ausstellungsstand zu entwickeln, um Leihgaben von Flaschen auch künftig zu ermöglichen.

Weitere Wracks in der Tiefe

Neben dem 2010 gefundenen Champagnerwrack wurde im Herbst 2016 ein weiteres Wrack mit Hunderten von Champagnerflaschen in der Ladung in åländischen Gewässern entdeckt. Der Fundort befand sich außerhalb des Naturreservats Björkör im Schärengebiet Föglö. Das Wrack wurde unter Denkmalschutz gestellt, den die Landschaftsregierung noch nicht gelockert hat, sodass bisher keine Flaschen aus dem Wrack geborgen wurden. Möglicherweise gibt es noch weitere untergegangene Schiffe, auf denen erlesene Tropfen an Bord schlummern. Ein Untergangsbericht über ein Schiff, das 1805 im selben Gebiet gesunken ist, erwähnt beispielsweise, dass sich Champagner in der Ladung befunden hat.

Champagnerkäfig

Das Unternehmen Silverskär in Saltvik in den nördlichen Schären Ålands schreibt die Geschichte des Wrackchampagners fort. Zusammen mit Veuve Clicquot und der Universität Reims in Frankreich hat wurde unter anderem ein Forschungsprojekt über die Lagerung von neuem Champagner auf dem Meeresboden und deren Wirkung auf das Getränk ins Leben gerufen.

Ein Champagnerkäfig wurde in Saltvik auf den Grund versenkt, auf einer nahegelegenen Felseninsel wurde eine Hütte für einen Champagnerwächter gebaut. 2017 wurden erstmals einige Flaschen für eine Geschmacksprobe herausgezogen und mit Flaschen verglichen, die im Champagnerkeller in Reims lagern. Es zeigt sich, dass der Champagner, der auf dem Meeresgrund gelagert wurde, langsamer gealtert war und sich langsamer entwickelt hatte als die im Keller gelagerten Flaschen, was für die Qualität des edlen Tropfens nur positiv ist. Der Vertrag zwischen Silverskär und Veuve Clicquot läuft über 40 Jahre, in einigen Jahren findet eine erneute Geschmacksprobe statt.

Forschungsgelder

Nach den Champagnerauktionen 2011 und 2012 vergab die Landschaftsregierung von Åland Stipendien für die ökologische und meeresarchäologische Erforschung der Ostsee sowie für Studien im Bereich Schifffahrtsgeschichte. Auch aus dem Verkauf der Biersorte Historic Beer 1842 der Brauerei Stallhagen flossen Mittel für die Forschung. Insgesamt wurden 25.000 Euro für wissenschaftliche Zwecke bereitgestellt.

 

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