ol-twoAus einem Schiffswrack außerhalb von Föglö in den äußeren Schären von Åland wurden im Sommer 2010 fünf Bierflaschen geborgen. Bestandteil der Ladung war auch Champagner, der weltweit einzigartig ist. Vermutlich ist das Schiff Mitte der 1840er Jahre gesunken.

Als Eigentümerin des Wracks und der Funde hat die Landschaftsregierung Åland der åländischen Brauerei Stallhagen die Rechte übertragen, die historischen Biere nachzubrauen. Der Vertrag sieht vor, dass ein Teil des Verkaufserlöses an die meeresarchäologische Forschung geht.

Stallhagen Historic Beer 1842

Die Flaschen, die rund 170 Jahre in 50 Meter Tiefe auf dem Meeresboden gelegen haben, wurden von der Technischen Forschungszentrale VTT in Finnland analysiert.

Mats Ekholm, Braumeister bei Stallhagen, hat den Entwicklungsprozess geleitet, der von Analysen und Tests sowie Brau- und Geschmacksproben in Zusammenarbeit mit Forschern aus Finnland und Belgien ausging.

Es hat sich gezeigt, dass es sich um drei verschiedene Arten von Bier handelt, zwei goldgelbe, klare Biersorten sowie eine dunklere Sorte in einem kupferroten Ton. Die chemischen Analysen deuten darauf hin, dass mindestens eins der Biere in frischem Zustand ein deutliche Rosen-, Mandel- und Nelkennote hatte.

Als Stallhagen Historic Beer 1842 wurde ausgehend von den wissenschaftlichen Forschungsergebnissen eine originalgetreue Kopie des Wrackbiers neu geschaffen.

Luxusartikel

Anfang des 19. Jhs. war Bier in Glasflaschen ein Luxusartikel. Die fünf Flaschen, in denen Bier aus dem Wrack abgefüllt war, waren braune, mundgeblasene Flaschen von gleicher Art. Die Flaschen waren mit einem Korken verschlossen.

Um die Biere möglichst originalgetreu aufzumachen, wurden mithilfe von åländischen Handwerkern 2000 handgeblasene Kopien der Bierflasche geschaffen. Als Sonderausgabe des ersten Biers sind die Flaschen in einem attraktiven Holzkasten verpackt.

Die 2000 nummerierten, handgemachten Flaschen Stallhagen Historic Beer 1842 werden bis einschließlich 15. Juni auf allen Schiffen von Viking Lines verkauft. 

Weckt Interesse

Laut Jan Wennström, Geschäftsführer von Stallhagen, war die Einführung von Stallhagen Historic Beer 1842 ein Erfolg. Der Verkauf läuft nach wie vor gut, obwohl das Produkt jetzt bereits einige Jahre auf dem Markt ist.

„Außerdem weckt das Produkt weiterhin großes Interesse, hiervon profitiert die Vermarktung unserer anderen Biersorten“, so Wennström.

Stallhagen Historic Beer 1842 wird vor allem auf Åland, auf dem finnischen Festland und auf den Passagierfähren in der Ostsee verkauft. Das Produkt wurde aber auch schon nach Japan und Belgien exportiert.

Forschung über Bakterien

Nicht nur das Bier selbst erregt allgemeines Interesse. Die im Bier entdeckten Milchsäurebakterien sind Gegenstand internationaler Forschung geworden. Die Landschaftsregierung Åland hat VTT die Genehmigung erteilt, in Zusammenarbeit der University of Saskatchewan in Kanada die Überlebensmechanismen von Milchsäurebakterien mikrobiologisch zu erforschen. Die Forscher hoffen, das Rätsel lösen zu können, wie es den Bakterien im Bier möglich war, sich in einen Ruhezustand zu versetzen und auf diese Weise 170 Jahre zu überleben. Die Forschungsergebnisse könnten für die Lebensmittelindustrie von Nutzen sein, da sich auf diese Weise beispielsweise die Haltbarkeit verschiedener Lebensmittelprodukte verlängern ließe. Im Lager der Landschaftsregierung gibt es noch eine ungeöffnete Flasche Wracköl, es besteht also die Möglichkeit zu weiterer Forschung.

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